News vom 01.04.2026 bis 30.04.2026
1.
Harz-Weser-Netz: Versuche mit hybriden Fahrzeugen haben begonnen
(01.04.2026)
2.
Harz-Weser-Netz:
Die
hybride "Rundnase" von Seesen – schnell, sauber und völlig erfunden!
(07.04.2026)
3. Harz: "EIN HARZ" schlägt 10 konkrete Verbesserungen für die Anbindung an den
Fernverkehr vor
(07.04.2026)
1.
Harz-Weser-Netz: Versuche mit hybriden Fahrzeugen haben begonnen
(01.04.2026)
In einigen Jahren sollen auch im Harz-Weser-Netz Triebfahrzeuge eingesetzt
werden, die elektrisch verkehren. Dies allerdings ohne Fahrdraht, was
entsprechende Akkumulatoren und Ladeinseln voraussetzt, wenn man, wie von der
LNVG beabsichtigt, die elektrifizierte Strecke Kreiensen – Northeim – Göttingen
nicht mehr befahren, sondern die Fahrgäste zum Umsteigen auffordern will.

Der „Erlkönig“ für hybride Antriebstechnik bei einem Aufenthalt in Seesen am 12.03.2026
Aber auch die Elektromotoren müssen ja funktionieren. Angesichts der Unfähigkeit des Haus- und Hoflieferanten Alstom, Fahrzeuge rechtzeitig bereitstellen zu können, testet man ganz offensichtlich auch Alternativen aus. Hierzu müssen die zu testenden Elektromotoren vorübergehend mit einem Dieselmotor und angeschlossenem Generator mit Strom versorgt werden. Ein hierfür genutztes Fahrzeug, perfekt getarnt als Lok der Dänischen Staatsbahn, konnte kürzlich bei einer Testfahrt in Seesen beobachtet werden. So viel kann man auf alle Fälle sagen: Die Beschleunigung kann sich durchaus sehen lassen. Das Fahrzeug kam deutlich schneller in Fahrt als die kurz vorher den Bahnhof verlassende RB46 nach Braunschweig, die – wohl zu Vergleichszwecken – nicht mit dem üblichen VT648, sondern mit zwei gekuppelten VT640 unterwegs war und dadurch übrigens auch über zwei funktionierende Toiletten verfügte.
Hohe Beschleunigung für immer schlechteres Schienennetz dringend erforderlich
Die hohen Beschleunigungswerte
werden auch deswegen gebraucht, weil DB InfraGO im Harz-Weser-Netz immer mehr
Abschnitte einrichtet, auf denen deutlich langsamer gefahren werden muss als
eigentlich vorgesehen, wie zum Beispiel zwischen Scharzfeld und Herzberg (40
km/h statt 100 km/h) oder bei Tettenborn (70 km/h statt 90 km/h). Diesem
schleichenden Verfall der Infrastruktur hofft man mittels schnell
beschleunigender Züge etwas entgegentreten zu können. Um von 0 auf die künftige
Standardgeschwindigkeit von 40 km/h zu kommen, benötigte das Versuchsfahrzeug
nur wenige Sekunden.
Michael Reinboth
2.
Harz-Weser-Netz:
Die
hybride "Rundnase" von Seesen – schnell, sauber und völlig erfunden!
(07.04.2026)
Noch ein Nachtrag zur "Seesener Rundnase": Von diesem Loktyp, abgeleitet aus der
amerikanischen F-Klasse und auf europäisches Maß zurechtgestutzt (deswegen die
starke Krümmung der Scheiben) haben NoHAB (Trollhättan) und AFB (in Belgien) 200
Stück für Dänemark, Norwegen, Belgien, Luxemburg und Ungarn gebaut. Die noch
fahrenden Loks haben so um die 70 Jahre auf dem Buckel.
Kern ist ein langsamlaufender Dieselmotor von GM, der einen Generator antreibt.
Die dänischen Loks (also auch die in Seesen) haben die Achsfolge A1A A1A, also
nur 4 angetriebene Achsen, die anderen haben überwiegend Co Co, also alle 6
Achsen angetrieben. In Dänemark gab es die Reihen MY (schwere Ausführung) und MX
(geringere Achslast für Nebenbahnen). Rund 20 Loks sind nach wie vor für
Privatbahnen im Einsatz, darunter auch die Seesener Lok, die Altmark Rail
gehört. Leistungsklasse so ähnlich wie unsere V 200, nur eben dieselelektrisch.
Die 120 der DR (Taigatrommel) kommt da auch in etwa ran, war aber wesentlich
lauter und hat viel mehr verbraucht.
70 Jahre, das ist echt "nachhaltig", auch wenn es eine Diesellok ist. Bei fast
allen läuft noch der Original-Motor. Und der Sound hat schon was, ähnelt so ein
wenig dem "Krabbenkutter" rumänischer Provenienz, von dem ja auch noch etliche
herumfahren.
Michael Reinboth
3.
Harz: "EIN HARZ" schlägt 10 konkrete Verbesserungen für die Anbindung an den
Fernverkehr vor
(07.04.2026)
Seit einigen
Jahren macht sich EIN HARZ für die Verbesserung der Anbindung des Harzes an den
bundesweiten Schienenfernverkehr stark. Nach weiteren Analysen des aktuellen
Zustands des Bahnverkehrs und der finanziellen wie baulichen Perspektiven sowie
Gesprächen mit Aufgabenträgern wurde dem Beirat auf seiner jüngsten Tagung in
Herzberg ein konkretes 10-Punkte-Programm vorgelegt, welches einhellige
Zustimmung fand und für dessen Umsetzung man sich gegenüber Bund, Ländern und
Aufgabenträgern stark machen wird.
„Wir haben bei der Erarbeitung sehr genau geschaut, wie realistisch die Umsetzungsmöglichkeiten vor dem Hintergrund sehr knapper Finanzmittel sind und was man für den Harz in den kommenden 5 bis 10 Jahren erreichen kann. Unsere Vorschläge berücksichtigen zudem den ganzen Harz und setzen ein Zusammenwirken der unterschiedlichen Aufgabenträger rund um unser Mittelgebirge voraus“ erläutert Michael Reinboth, der die 10 Punkte für EIN HARZ entwickelt hat.
Gefordert werden:
Durchgehende Züge Hannover – Goslar – Halle (Saale), ggf. bis und ab Leipzig, bei Beibehaltung der Anbindung von Bad Harzburg mittels Kupplung und Flügelung in Goslar
Verdichtung des Zugverkehrs zwischen Hannover, ggf. Hildesheim und Goslar mit dem Ziel wesentlich besserer Anschlüsse an den ICE-Verkehr in Hildesheim und zur Entlastung des RE10 Hannover – Bad Harzburg
Eine durchgreifende Verbesserung der Betriebsverhältnisse auf der Strecke Braunschweig – Seesen – Herzberg mit dem Ziel garantierter Anschlüsse in Braunschweig und Herzberg
Zweistündlich durchgehende Züge Paderborn – Kreiensen – Goslar – Bad Harzburg und zurück
Mehrfach täglich, am Wochenende verstärkt durchgehende Züge Paderborn – Bodenfelde – Northeim – Nordhausen und zurück
Verlängerung der RE8 und/oder RE9 (Kassel – Nordhausen - Halle) über Halle hinaus nach Leipzig und zurück
Beibehaltung der durchgehenden Züge Nordhausen – Herzberg – Göttingen und Bad Harzburg – Kreiensen – Göttingen zur umsteigefreien Erreichbarkeit des ICE-Bahnhofs Göttingen
Kupplung und Flügelung der Züge Braunschweig – Herzberg mit den Zügen Nordhausen – Göttingen und umgekehrt im Bahnhof Herzberg zur Erreichung zweistündlich umsteigefreier Verbindungen Gittelde-Bad Grund – Osterode - Göttingen (bei Beibehaltung der jeweiligen Taktfrequenzen)
Einrichtung einer Schnellbuslinie Goslar – Clausthal-Zellerfeld – Osterode – Northeim mit Anbindung an den RE2 nach und von Göttingen und Erzielung eines dichten Angebots zwischen Osterode und Göttingen
Verdichtung der Buslinie Wernigerode – Braunlage auf einen Stundentakt auch unter der Woche mit guten Anschlüssen Magdeburg – Schierke – Braunlage bzw. Halle – Schierke – Braunlage über den Bahnhof Wernigerode
Die Vorschläge setzen u.a. in Goslar und Herzberg Investitionen in so genannte „Beifahranlagen“ voraus, verzichten aber auf teure Neubauabschnitte bzw. Kurven, deren Finanzierung gegenwärtig völlig offen ist. Da bis auf Hildesheim – Goslar und Halle – Leipzig keine Takterweiterungen vorgesehen sind, sondern nur die Zusammenlegung ohnehin schon vorhandener Linien, hält sich auch die Anzahl der zusätzlichen Fahrzeuge in machbaren Grenzen. Zum Teil war deren Beschaffung ohnehin im Zuge der Umstellung auf batterieelektrischen Betrieb vorgesehen.
Die Weiterführung des derzeit einzigen umsteigefreien Angebots für den Harz, des „Harz-Berlin-Express“, sowie ohnedies geplanter Maßnahmen wie der Beschleunigung Nordhausen – Erfurt werden hierbei vorausgesetzt.
„Mit den 10 Vorschlägen würde die Anbindung des Harzes an wichtige Aufkommensgebiete deutlich verbessert. Der Harz würde umsteigefrei und schlank an wichtige Destinationen bzw. Fernverkehrsknoten wie Leipzig, Hildesheim, Göttingen sowie Paderborn als Mittler zum Ruhrgebiet entweder neu angeschlossen oder angeschlossen bleiben. Drohende massive Verschlechterungen wie zusätzliche Umstiege werden vermieden, ohne dass die nach wie vor engen Finanzrahmen des ÖPNV überfordert werden. Und es würde ein deutliches Signal dafür gesetzt, dass man den Harz als Tourismusdestination und attraktive Wohngegend für Pendler auch in Sachen Bahn und Bus endlich ernstnimmt“ begründet Frank Uhlenhaut, Geschäftsführer von EIN HARZ, die Vorschläge, die nunmehr den Ministerien und Aufgabenträgern vorgelegt und mit ihnen erörtert werden sollen.
Neue Pläne der Bundesregierung und EuGH-Entscheidung bergen große Gefahren für den Harz
Das nachdrückliche Beharren auf besserer Anbindung unseres Mittelgebirges ist vor dem Hintergrund der jüngsten Pläne von Bundesregierung und Deutscher Bahn zur Verbesserung der Pünktlichkeit aktueller denn je. Denn werden diese umgesetzt, ist eine Ausdünnung des Angebots im Zulauf u.a. auf Hannover zu erwarten – Züge aus dem Harz würden dann z.B. in Hildesheim enden und beginnen, um den Knoten Hannover zu entlasten. Hier gilt es, sehr frühzeitig einen Riegel vorzuschieben, damit es nicht ein weiteres Mal den ländlichen Raum zugunsten der Verbindung zwischen den Großstädten trifft.
Ein weiteres großes Problem tut
sich nach der Entscheidung des EuGH in Luxemburg zu den Trassenpreisen auf, denn
dadurch drohen für den Regionalverkehr massive Verteuerungen, die, wenn der Bund
nicht nachsteuert (wofür gegenwärtig nichts spricht), zu massenhaften
Abbestellungen von Zugleistungen führen werden. Und auch hier wird es vorrangig
die ländlichen Räume treffen.
Michael Reinboth