News vom 01.02.2026 bis 28.02.2026
1.
Südharzstrecke: Langsamfahrstelle, Dauerverspätungen, Anschlussprobleme
(06.02.2026)
„Der technische Zustand der Südharzstrecke nähert sich bedenklich wieder dem
Niveau, der uns Anfang der 1990er Jahre dazu gebracht hat, Höchste Eisenbahn zu
gründen. Über viele Jahre hinweg hat man den Oberbau, also Schienen, Schwellen
und Schotter, vernachlässigt. Die Quittung erhalten jetzt die Fahrgäste, die mit
ständigen Verspätungen und prekären Anschlüssen leben müssen.“ Michael Reinboth
von der Initiative „Höchste Eisenbahn für den Südharz“ beobachtet mit Sorge den
schleichenden Verfall der Infrastruktur zwischen Northeim und Nordhausen. Die
Südharzstrecke, so seine Auffassung, ist eines von vielen negativen Beispielen,
die sich aus der jahrzehntelangen Unter-finanzierung der Infrastruktur und
daraus resultierend immer mehr zunehmenden Mängeln inzwischen bundesweit häufen.
„Das Streckennetz der Bahn“, so meint er weiter, „pfeift aus dem letzten Loch.“
Seit Monaten wird zwischen Scharzfeld und Herzberg auf über 2 Kilometern Streckenlänge nur noch geschlichen, wo einst 100 km/h gestattet waren, wird nun aufgrund des verkommenden Oberbaus mit 50, 60 km/h dahingegondelt. Resultat: 2 Minuten Verspätung bis zur Ankunft in Herzberg.
Fehlende Kreuzungsmöglichkeit in Walkenried verschlimmert das Problem weiter
Lässt allein dieser Mangel bei der Initiative die Alarmglocken schrillen („und wir Einfaltspinsel dachten, dass diese Probleme ein für allemal überwunden worden seien…“), so wird das Problem noch dadurch verschlimmert und entwickelt sich zum echten Ärgernis, dass die Triebwagen der Südharzstrecke sich seit langem schon im Verspätungsfall nicht mehr in Walkenried statt in Ellrich treffen können. Der zweite Bahnsteig in Walkenried ist zwar gebaut, aber unbenutzbar, was auf alle Fälle in diesem Jahr, vermutlich aber noch länger („den Statements der DB-Pressestelle zum planmäßigen Bauverlauf glauben wir schon lange nicht mehr“) dazu führt, dass sich die Verspätung des von Northeim kommenden Zuges umgehend auf den nach Northeim fahrenden überträgt. Egal wie hoch die Verspätung ist, der Gegenzug muss in Ellrich warten, bis sein Widerpart von Northeim endlich da ist – es sei denn, die Verspätung ist größer als 15 Minuten, denn dann begegnen sich die Züge auf dem zweigleisigen Abschnitt zwischen Walkenried und Bad Sachsa.
Aber zumeist sind es eben die berühmten 5 Minuten, weil man wieder einmal in Göttingen nicht pünktlich abfahren oder in Northeim die aus demselben Grund verspätete RB82 abwarten musste. Der Zug ist dann gemäß DB-eigener Skala sogar pünktlich, was an der Tatsache, dass der Gegenzug mit 2-3 Minuten Verzug aus Ellrich abfährt, ja nichts ändert. Auf diese 2-3 Minuten kommen dann infolge der „Langsamfahrstelle“ noch einmal 1-2 Minuten obendrauf. Ergebnis: Abfahrt in Herzberg erst zur Minute .30 statt zur Minute .26, Ankunft in Northeim dann zur Minute .54 statt .50. die Abfahrt der RB82 nach Göttingen (man erinnere sich: die „gelebte Praxis“) ist planmäßig zur Minute .55, d.h. es steht exakt eine Minute für treppab-Unterführung-treppauf zur Verfügung. Dank des „Rotkäppchens“ in Northeim wird zwar schon mal eine Minute zugegeben, aber Reisende mit Gepäck, Kinderwagen, Rollator sind chancenlos.
„Wenn ich gefragt werde, wann der nächste Zug nach Göttingen geht, und ich erwähne, dass das dann und dann der Fall ist, aber man in Northeim umsteigen muss, kommt umgehend: Nein, gib mir mal lieber den durchgehenden Zug, ich habe keine Lust, mich in Northeim abzuhetzen oder dort 30 Minuten auf den Metronom zu warten.“
Reinboth fordert von DB InfraGO, diesen Zustand baldmöglichst durch Instandsetzung des Gleises Scharzfeld – Herzberg zu beenden. Bei der LNVG in Hannover hat er das Problem schon adressiert. „Gut, dass wir bis auf weiteres unsere durchgehenden Züge behalten, sie sind in Verbindung mit etwas entspannteren Umsteigezeiten zum ICE in Göttingen quasi eine Lebensversicherung.“
Da auch andere Streckenabschnitte letztmalig vor
15 bis 20 Jahren angefasst worden sind, befürchtet man bei der Initiative einen
sich immer mehr beschleunigenden Verfall und damit einhergehend wieder längere
Fahrzeiten zwischen Northeim und Nordhausen – gut möglich, dass man in ein paar
Jahren wieder dort angelangt ist, wo man nach 1994 endlich aktiv wurde. Nur: Das
„Harz-Weser-Netz“ gibt es nicht mehr, die Zuständigkeiten für unsere Strecke
sind wieder in der bequemen Anonymität des Dschungels „DB InfraGO“ verschwunden…
Michael Reinboth